Auf dieser Seite haben wir Ihnen einige Informationen zusammengestellt zum Thema
Nordische Weihnacht
Quellenangaben und meist auch weiterführende Links finden Sie jeweils am Ende der Artikel.
Viel Vergnügen beim Lesen!
IN DÄNEMARK DAUERT WEIHNACHTEN LANGE
Die dänische Weihnacht ähnelt einem
Musikstück, dessen Melodie nach Lust und Laune auf nur einem
Instrument gespielt oder mit allen möglichen Variationen zu
voller Orchesterkraft ausgebaut werden kann. Das Grundthema bleibt sich
gleich, falls man aber das dänische Weihnachtsfest nach allen
Regeln der Kunst und im Geiste der Überlieferungen begehen
möchte, dann gilt es, eine grössere Aufgabe zu
bewältigen. So etwas kostet Zeit und Kräfte, dann
aber, wie schon H.C. Andersen sagte, wird es "prächtig, ganz
unvergleichlich prächtig".
KERZENLICHT
UND TANNENGRÜN DEN GANZEN DEZEMBER LANG
Zum
ersten Advent, dem 4. Sonntag vor Weihnachten, hängen viele
Dänen einen mit vier Lichtern geschmückten
Tannenkranz unter der Decke auf und erfreuen sich eine Weile am
Schimmer der ersten Kerze. Am darauffolgenden Sonntag wird auch das
zweite Licht angezündet, später dann alle drei und
schliesslich alle vier. Tannengrün und Kerzenlicht duften nach
Weihnachten – die Brandgefahr ist nicht gross, denn alle
schauen gebannt auf das Licht.
Für die
Kinder beginnt die Abwärtszählung am 1. Dezember. An
diesem Tag nämlich wird zum ersten Mal die sogenannte
Kalenderkerze angezündet. Vom 1. bis zum 24. durch Querstriche
aufgeteilt, werden Kerze und Wartezeit jeden Tag um ein Strichlein
kürzer.
Auch viele Dänenkinder
erfreuen sich an einem Adventskalender – mal ein
Kartonnagenhäuschen mit einem jeden Tag zu öffnenden
Fensterchen, mal ein kleiner, bestickter Wandteppich, an dem
Grossmutter oder Tante ein winziges, nett verpacktes Geschenk
für jeden Tag aufgeängt haben. Was mag drin stecken?
Während der dunklen Dezembermorgen zeitigt die angespannte
Erwartung bessere Erfolge als jedweder Wecker.
DER
WEIHNACHTSBAUM – FRISCH AUS DEM WALD
Den
Weihnachtsbaum selbst im Wald zu holen, das ist ein Ereignis
für die ganze Familie. Mit Säge, Axt und Seil
bewaffnet, in hohen Stiefeln – schliesslich erhofft man sich
Schnee! –, ziehen Vater, Mutter und Kinder in eine der
Baumplantagen der Umgegend, in denen Christbäume frisch aus
der Anpflanzung verkauft werden. Der allerschönste Baum wird
ausgesucht und von eigener Hand gefällt. Wer die Wahl hat, hat
die Qual. Fast jede Tanne ist nach einer Seite hin abgeflacht und hat
irgendwelche Unregelmässigkeiten oder eine schiefe Spitze.
Natürlich lässt sich auch ebenso gut ein Baum aus der
grossen Menge bereits gefällter Tannen, die mit dem Lastwagen
angeliefert werden, auswählen – warum aber sollte
man sich ein romantisches Erlebnis entgehen lassen? Eine von eigener
Hand gefällte Tanne ist doch etwas ganz
besonderes...
DIE GANZE FAMILIE
RÜSTET SICH
Anfang Dezember beginnt
die Innenausschmückung des dänischen Heims, ein
besonder wichtiger Bestandteil der skandinavischen Weihnacht. Eine
Schale mit kleinen Tulpen, Gläser mit Hyazinthen, noch unter
ihren Schutzhütchen, gehören auf die
Fensterbank. Nisser werden nebst Tannenzweigen hinter Bilder
und Spiegel gesteckt, weihnachtliche Mobilé mit Sternen aus
Stroh, goldenen Papierherzen oder Fröbelsternen, durch die
aufsteigende Wärme der Kerzen in Bewegung gehalten,
hängen überall – der phanatsievollen
Entfaltung sind keinerlei Grenzen gesetzt. Nicht nur die
Wohnräume müssen in vorweihnachtlichem Glanz
erstrahlen, es muss sich auch ein Weihnachtsduft verbreiten, deshalb
spielt auch die Küche eine wichtige Rolle. Hier lassen sich
entlang der Wände rote Schmuckfriese mit Motiven eifrig
backender Nisse aufhängen.
Sobald das
ganze Haus ausgeschmückt ist, ist es an der Zeit,
sämtliche zur Familie gehörenden Kinder und deren
Freunde in einer "Weihnachtsstube" zu versammeln – ein
gemütlicher Nachmittag rund um einen grossen Tisch, an dem es
zunähst zu basteln gilt, belohnt durch spätere
Leckereien. Alle bringen Schere, Leim und Glanzpapier mit und die
Grösseren lehren die Kleinen die Kunst des Schneidens, Faltens
und Zusammenleimens all des überlieferten Baumschmucks
– waffelförmige und runde Körbchen, Engel,
Froebelsterne und Herzen. Die aus buntem Glanzpapier geflochtenen
Herzen, vorzugsweise rot und weiss, sind eine dänische
Fertigkeit, die einmal erlernt (s. bildliche Darstellung), sich zu
einer hübschen und spannenden Kunstart entwicklen
lässt.

Später,
etwa am Vorabend des 24., unterzieht man dann wohl im Kreise der
Familie den Eigenbestand alten und hochgeschätzten
Baumschmucks einer Überprüfung und bessert
beschädigte Teile aus. Dazu wird eine Weihnachtsliederprobe
abgehalten und abschliessend probiert man die frischgebackenen
Plätzchen und das selbstgemachte Konfekt.
52%
TREFFEN SELBST IHRE KULINARISCHEN VORBEREITUNGEN
Der
Weihnachtsschmaus darf nicht vergessen werden. – "Ja, aber in
diesem Jahr werden wir uns nicht überanstrengen, wir kaufen
alles fertig, die Gewürzplätzchen beim
Bâcker sind doch wirklich hervorragend." – so
ertönt es einige Wochen vor Weihnachten in vielen
berufstätigen Familien. Schliesslich aber stehen doch alle
wieder in der Küche, kneten Teig und formen
Lebkuchenmänner. Hierbei sieht man dann schliesslich ein, dass
man bei den bevorstehenden Weihnachtsmahlzeiten keiensfalls ohne
Mutters besondere Leberpastete oder ohne Vaters in Sherry eingelegten
Hering wird auskommen können und dann läuft wieder
alles wie eh und je. Diesbezügliche Erhebungen zeigen, dass
52% aller Familien nach wie vor eigenhändig Plätzchen
backen und Leberpastete, Sülze und Rollwurst zur
Weihnachtszeit selbst zubereiten. Und, wie soe richtig beuaptet wurde,
die übrigen 48% sind dann wahrscheinlich bei den 52% zu Gast,
denn Weihnachten ist ja ein Familienfest.
DIE
WICHTIGE EINE MANDEL IM REISBREI
Der
Weihnachtsabend ist dann die Krönung des Ganzen. Und der Tag
vor dem Weihnachtsabend ist der anstrengendste des ganzen Jahres.
Ältere Weihnachtsgäste müssen abgeholt und
untergebracht werden, der Baum muss hereingeholt und in den
Baumständer gestellt werden.
Das
dänische abendliche Weihnachtsfestessen beginnt
traditionsgemäss mit einem Reisbrei, in dem eine
Mandel versteckt ist. Der Finder der Mandel erhält zur
Belohnung ein Mandelgeschenk, meistens ein Marzipanschweinchen.
Anschliessend wird dann Schweinsbraten, oder eine gebratene Ente, Gans
oder Truthahn gereicht. Die Ente gefüllt mit Äpfeln
und Dörrpflaumen, dazu glacierte Kartöffelchen,
Rotkohl, Konfitüre usw., findet immer die meisten Liebhaber,
aber auch der Truthahn liegt heutzutage gut im Rennen. In vielen
Familien gibt es anstelle der warmen Reisbreivorspeise einen kalten
Sahnereisnachtisch, der ja auch eine Mandel verbergen kann.
ALLE
WARTEN IM DUNKELN
Während die
Baumlicher angezündet werden, sitzen alle anderen im Dunklen
und warten. Wird dann endlich die Tür zum Lichterbaum
geöffnet, wirkt der Anblick blendend, unwirklich und alle
Jahre wieder gleich herrlich. Jetzt erlebt man das eigentliche
Weihnachtsfest – friedliche Stimmung verbreitet sich, nichts
eilt mehr. In Ruhe werden all die schönen Dinge am Baum
betrachtet, die Herzen, Engel, Tiere, waffelförmigen
Behälter, Flaggen, Nissekobolde und Sterne. Aus Zapfen
gebastelte Vögel und Eichhörnchen, Boote aus
Walnussschalen, zerbrechlich zarte Ringe aus Stroh und Glas und Papier,
leicht zitternd und schimmernd. Dann nehmen wir einander an die Hand,
gehen im Kreise um den Baum und singen all unseren vertrauten
Weihnachtslieder. Das Weihnachtsevangelium mag noch verlesen werden,
wir singen erneut und blicken versonnen auf das Kerzenlicht –
dann aber ist es an der Zeit, all die Pakete zu untersuchen, die in den
farbenreichen Stapeln unter dem Baum liegen.
Eine
hübsche Verpackung der Gaben ist eine Kunst, der vor allem
Kinder und junge Leute grosse Bedeutung beimessen. Auch der
Überraschungsmoment spielt hierbei eine wichtige Rolle.
Erhält ein kleines Mädchen beispielsweise eine
Armbanduhr, dann mögen die grösseren Geschwister
einen ganzen Verschlag gebastelt haben, hinter den sich die
Gabenempfängerin stellen und ihre Hände durch eine
kleine Öffnung stecken muss.
Eine
bestimmte Bettzeit kennt man am Heiligabend nicht. Schliesslich aber
sind doch alle müde, es gibt noch
Weihnachtssüssigkeiten und Obst, vielleicht singt man noch ein
wenig oder hört etwas Musik – und dann ist der
schönste Abend des Jahres vorbei.
WEIHNACHTEN,
EIN FAMILIENFEST UND DIE ZEIT DER FESTESSEN
Der
1. Weihnachtstag ist für die meisten Dänen ein
egselliger und fröhlicher Tag, dessen Höhepunkt die
grosse mittagliche Festmahlzeit im Kreise der Familie und der Freunde
bildet. Das Kalte Buffet, je nach Lust und Laune zusammengesetzt, wird
nun verschmaust – verschiedene Sorten eingelegten Herings,
Kaviar, Garnelen, ofenwarme Fleischbällchen und Leberpastete
und dazu Entenschmalz, geräucherte Lammkeule, Sülze,
Rollwurdt, kalter Schweinebraten, Rote Beete, Salate und eine
reichhaltige Auswahl an Aufschnitt und Käse. Dazu gibt es Bier
und Schnaps. Dieses Essen zieht sich häufig angenehem in die
Länge, anschliessend macht man einen Spaziergang im Schnee
– vielleicht hat es sogar geschneit! –, vielleicht
trifft man unterwegs Bekannte und tanzt mit ihnen einen Reigen um den
Weihnachtsbaum des heimischen Marktplatzes.
Ebenso
geht es am Zweiten Feiertag – "den ersten Feiertag verbringen
wir bei Deinen Eltern, den zweiten bei meinen" – oder man
ruht sich faulenzenderweise einmal gründlich aus.
Ist
der Zweite Feiertag vorbei, herrscht offiziell wieder Alltag, in
Wirklichkeit aber nicht. Der Weihnachtsbaum ist ja noch da, man
hält Kindergesellschaften, zündet die Kerzen wieder
an – im Ständer ist noch Wasser! – und die
Kleinen tummeln sich um den Baum, fassen sich an den Händen,
laufen in einer Kette rein und raus und singen "Nu er det jul igen"
– "Weihnacht ist wieder da"!
Noch vor
Neujahr lässt man die Kerzenreste einmal ganz abbrennen und
wartet gebannt, welches der Lichter am längsten lebt. Alle
halten ihr eigenes, zuvor ausgewähltes Licht atemlos gespannt
im Auge bis eine Kerze nach der anderen unter dem grotesken
Schattenspiel an der Decke erlischt.
ZU
SILVESTER MANCHERLEI BRÄUCHE
Viele
dänische Familien verbringen Silvester als einen ruhigen Abend
im Kreise von Jung und Alt. Man isst gut zu Abend, meistens gekochten
Kabeljau. Anschliessend spielt man mit den Kindern Gesellschaftsspiele
und setzt Preise für die Gewinner aus und erfreut sich am
Licht der Zündkerzen. Gegen Mitternacht werden die Baumlichter
angezündet und man singt "Vær velkommen Herrens
År" – womit das Jahr des Herren willkommen
geheissen wird, ehe punkt 12 die Rathausglocken erklingen, alle mit
ihren Gläsern anstossen, einander ein gutes Nuees Jahr
wünschen und sich für alles Gute und Liebe im alten
Jahr bedanken.
In vielen Häusern,
besonders bei jüngeren Leuten, ist der Silvesterabend eine
feuchtfröhliche Begebenheit mit Karnevalsmasken,
Papierschlangen und Champagner, Feuerwerk draussen auf dem Rasen und
einem lustigen Umzug durch die Nachbarschaft, wobei dann
Fahrräder auf dem Garagendach landen können und
manchmal gar Gartentörchen am Flaggenmast gehisst werden. Nach
vollbrachter Untat geht es wieder nach Hause und man tanzt bis in den
frühen Morgen.
Und nun ist Weihnachten
wohl vorbei? Mitnichten, immer noch nicht ganz. Weihnachten dauert 13
Tage und am 12. Tage wird der Abend der Heiligen Drei Könige
begangen. Wir zünden drei Kerzen an – als kleinen
Ersatz für den Weihnachtsbaum, der jetzt in den Garten muss
und dort mit Meisenringen behangen wird.
Text:
Marie Louise
Paludan
Quelle:Dänische
Botschaft Berlin









